Grundeinstellungen der Kamera / Teil 1: Verschlusszeit und Blende

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Um Deine Kamera kennen zu lernen und Dich an die Haptik usw. zu gewöhnen, kann es gerade am Anfang sinnvoll sein, im Automatik-Modus zu fotografieren. Wenn Du aber etwas ambitioniertere Fotos machen möchtest, solltest Du Dich allerdings intensiver mit den Einstellungsmöglichkeiten beschäftigen und andere Modi austesten. Das bedeutet jetzt nicht, dass Du vollständig manuell fotografieren musst und alle Einstellungen selbst vornimmst – auch wenn es Situationen gibt, in denen das durchaus sinnvoll sein kann. Es gibt Halbautomatik-Modi, die deutlich mehr Spielraum in der Gestaltung zulassen, als die Vollautomatik. Denn letztlich weiß die Kamera ja nicht, was Du willst – z.B. soll der Vordergrund oder der Hintergrund scharf sein oder alles?

Was auch immer Du für eine Kamera Dein eigen nennst oder ob Du vielleicht sogar „nur“ mit dem Smartphone fotografierst (auch hier können mit der „richtigen“ Foto-App viele Einstellungen vorgenommen werden), solltest Du wissen, welche Einstellungen welchem Zweck dienen / welche Wirkung sie haben. Dieser erste Teil beschäftigt sich mit der Verschlusszeit/Belichtungsdauer und der Blende. Im nächsten Teil kommt noch der ISO-Wert dazu und das Wechselspiel zwischen allen drei Werten, bevor wir uns näher mit den verschiedenen Kamera-Modi, dem Weißabgleich und dem Fokus auseinandersetzen.

Verschlusszeit/Belichtungsdauer

Mit der Verschlusszeit legst Du fest, wie lange Licht auf den Sensor Deiner Kamera fällt. Stellst Du z.B. eine Verschlusszeit von 5 Sekunden ein, fällt 5 Sekunden lang Licht auf den Sensor der Kamera. Die kürzeren Belichtungszeiten werden mit einem Bruch dargestellt z.B. 1/30 oder 1/1000. Desto länger man belichtet, desto ruhiger sollte die Kamera gehalten werden bzw. bei längerer Belichtung auf einem Stativ stehen, da sonst Bewegungsunschärfe entsteht. Das Bild wird also unscharf, weil sich die Kamera während der Belichtung bewegt (schon Vibration kann bei längerer Belichtung diesen unerwünschten Effekt verursachen). Damit können natürlich auch gewollte Effekte erzielt werden, z.B. wenn man die Bewegung der Wolken oder von Wasser mit abbilden möchte oder Lichtzieher erzeugt werden sollen (z.B. die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos als Lichtstreifen). Wenn man mit wenig Licht fotografiert, kommt man um längere Belichtungszeiten übrigens kaum herum.

Das linke Foto wurde mit einer recht kurzen Verschlusszeit gemacht, der Sensor der Kamera hat nur sehr kurz das Licht „eingefangen“. Das fließende Wasser wird also nur für einen ganz kurzen Moment aufgenommen, während das rechte Foto mit einer Verschlusszeit von 5 Sekunden gemacht wurde und die Wasserbewegung quasi geglättet wird. Einen tollen Effekt bekommt man z.B. bei Wellen mit einer Belichtungsdauer von ca. 1/4 Sekunde.

Blende

Mit der Blendenöffnung steuert man, wieviel Licht gleichzeitig auf den Sensor trifft. Ist die Blende weit geschlossen, kommt wenig Licht hindurch, ist sie weit geöffnet kommt viel Licht hindurch. Zum Einen führt das dazu, dass man bei geschlossener Blende möglicherweise länger belichten muss (siehe Verschlusszeit) um genug Licht auf den Sensor zu bekommen, zum Anderen hat es Auswirkungen auf die Schärfebereiche in einem Foto. Man spricht hier von der sogenannten Tiefenschärfe oder Schärfentiefe (welcher Begriff da nun aus technischer Sicht der korrekte ist, erschließt sich mir bis heute nicht).

Bei geöffneter Blende ist der Bereich der im Verhältnis zum fokussierten Motiv näher an der Kamera oder weiter entfernt von der Kamera ist, unscharf. Ich brauche aber nicht so lange belichten, da mehr Licht auf den Sensor fällt. Bei eher geschlossener Blende sind tendenziell auch Vorder- und Hintergrund scharf abgebildet (siehe hierzu für Fortgeschrittene auch ‚hyperfokale Distanz‘), ich muss aber länger belichten.

Welche Blenden man zur Verfügung hat, ist in der Regel abhängig vom Objektiv. Lichtstarke Objektive haben z.B. eine maximale Blendenöffnung von f2.8. Je weiter die Blende geschlossen ist, desto höher diese Zahl. Blende f32 wäre z.B. eine weit geschlossene Blende.

Das linke Foto wurde mit Blende f1.8 aufgenommen. Dabei wurde auf die Braut fokussiert (scharf gestellt), der Hintergrund ist unscharf. Das Motiv wird mit der Hintergrundunschärfe quasi „freigestellt“ – ein häufig in der Portraitfotografie genutzter Effekt. Die Belichtungsdauer war mit 1/1250 Sek. recht kurz.

Beim rechten Foto wurde eine recht geschlossene Blende (f22) verwendet. Dadurch sind Vorder- als auch Hintergrund und auch alles dazwischen, gleichmäßig scharf abgebildet. Dafür musste bei diesem Foto aber mit 1/10 Sek. länger belichtet werden.

Es ist also immer ein Wechselspiel zwischen Belichtungsdauer und Blende, aber auch der ISO-Wert darf hier nicht vergessen werden. Dazu im nächsten Artikel mehr.